Aus der Palette der Frischbörner Vereine ist der Frauenkreis Frischborn nicht wegzudenken.

1974 fanden sich etwa 35 Frauen zu den "Landfrauen Frischborn" zusammen.

1976 erkannte man, dass ein erheblicher Teil der Mitgliedsbeiträge an überörtliche Landfrauenverbände abzuführen war.
Das Geld sollte jedoch besser für eigene Initativen verwendet werden.

Deshalb schied man bei den "Landfrauen" aus und 44 Frauen gründeten den Frauenkreis Frischborn.

Die Vorstandsmitglieder der ersten Stunde waren Hilde Gromes, Gertrud Fischer, Ilse Poeplau, Gerda Schwarz, Gertraud Lange, Emma Fischer und Renate Steller.

Überhaupt lässt sich eine große Kontinuität der Vorstandsmitglieder feststellen; so arbeiteten Hilde Gromes, Inge Greb, Brigitte Dietz, Ursula Huschka und Emmi Bätz über 10 Jahre, Ute Seidel über 20 Jahre und Gerda Schwarz sogar über 30 Jahre im Vorstand mit.

Zum Ziel setzten sich die Frauen: Traditionspflege (etwa das Tragen der Tracht), Einsatz für das Dorf (Hackeinsätze, Pflege des Blumenschmucks) und Spenden für soziale Zwecke (Kuchenbuffet am jährlichen Weihnachtsbasar der Herbsteiner Helmut-von-Bracken-Schule). Der Jahresbeitrag betrug 3,- DM.

Der überwiegende Teil der Frauen ging zu dieser Zeit keinem erlernten Beruf nach, sondern war daheim zuständig für Haus, Garten und Landwirtschaft. Der neu gegründete Verein bot ihnen eine bislang nicht vorhandene Abwechslung zu Küche und Stall. Dies wurde als große Bereicherung empfunden.

Bereits in der Anfangszeit gab es eine Fülle von Veranstaltungen. Sie reichten von traditionellen Themen wie "Ist die Hausfrau zu ersetzen?" über Kochkurse und Theaterbesuche. Herzlich lachen konnte man bei der Mitgestaltung der Fremdensitzungen. Ein Novum war auch der Besuch von Schwimmkursen und späteren regelmäßigen Schwimmbadbesuchen.

Die erste gemeinsame Busreise 1976 führte zur Tulpenblüte nach Holland. Man kann sagen, der Frauenkreis hat halb Europa bereist. Von der Insel Rügen im Norden bis zur italienischen Riviera im Süden, von Holland im Westen bis Ungarn und Tschechien im Osten. Aber ganz besonders die "Küppel", die Bergwelt der Alpen, haben es dem Frauenkreis angetan. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens unternahm der Frauenkreis sogar eine Flugreise nach Mallorca.

Feststehende Veranstaltungen wie die Seniorennachmittage und die Dorffeste werden vom Frauenkreis bis heute mitgestaltet. Bis in die 80-iger Jahre stellte man regelmäßig eine Fußgruppe in Tracht bei den Hessentagsumzügen.

Der Verkauf von selbst gebackenem Kuchen und Brot aus dem Frischbörner Backhaus sowie Hausmacher Wurst bei diversen Festen in Lauterbach und anderswo gehört zu den beliebten Aktivitäten des Vereins.

Großes Engagement zeigte man auch bei den Aktionen "Unser Dorf soll schöner werden". Besonders "schee gings" bei den legendären Faschingsveranstaltungen.

Überregional bekannt wurde der Frauenkreis mit dem 1985 herausgegebenen Frischbörner Kochbuch. Nach der Erstauflage von 500 Stück entwickelte es sich zu einem Renner.

1986 begann die Fernsehkarriere. Für die hr-Sendung "Hessen a la carte" standen die Frauen jährlich vor den Kameras, ob bei Hilde Gromes im Garten, bei Ute Seidel im Haus oder im hr-Studio in Frankfurt zur Salzekuchenherstellung.

Ein Höhepunkt war 1994 ein "Backhausfest" inszeniert für den hr, das im September ausgestrahlt wurde und viele Besucher nach Frischborn lockte.

2005 wurde das Backhaus erneut zum Drehort für eine Adventssendung. In Tracht backten Frauen Plätzchen nach alten Rezepten.

In Zusammenarbeit mit den Fremdenverkehrsämtern machten in den 90-iger Jahren Frischbörner Frauen in Tracht deutschlandweit auf Touristikmessen Werbung für den Vogelsberg als Reiseziel. Sie verteilten "Riwwelkuchen", kochten "Beutelches" oder boten Wurst- und Fettebrote an.

Ende der 90-iger Jahre nahm der Frauenkreis einige Male am Weihnachtsmarkt des Hessischen Rundfunks in Frankfurt teil. Zu einem Termin wurden vier Schweine auf dem Auhof "zu Wurst gemacht" und 250 Gläser Mus, Gelee und Marmelade gekocht, 800 Brote gebacken - und alles von den Frauen in drei Tagen verkauft.

Das heutige Vereinsleben des Frauenkreises bietet seinen Mitgliedern eine breite Palette an Aktivitäten. Die Vorträge reichen vom biologischen Gartenbau, medizinischen und juristischen Themen über Märchen, Gedächtnistraining bis zu Heilkräutern. Nach wie vor werden Fahrten, Wanderungen, Weihnachtsfeiern oder auch Kochkurse organisiert.

Daneben stehen Hackeinsätze und Blumenpflege im Dorf auf dem Programm. Im Gegensatz zu den Anfängen 1976 hat sich das Angebot den veränderten Zeiten angepasst. Statt Basteln lernen wir heute lieber Englisch, machen Yoga, Radtouren oder Nordic-Walking. Dennoch erlebt auch die Traditionspflege eine Neuauflage. Hierzu gehört auch das Tragen der Tracht.

Erfreulicherweise hat der Verein seit einiger Zeit einen Zuwachs an jüngeren Mitgliedern. Der heutige, deutlich verjüngte Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Marika Heiß, Evelyn Eifert, Doris Ludwig, Margit Heidl, Monika Heiß, Beate Habermehl, Astrid Kaut, Hertha Meyer und Renate Schulz.

Der Großteil der 160 Mitglieder ist allerdings berufstätig und unterscheidet sich im Lebensstil von den Frauen der "ersten Stunde". Der Frauenkreis Frischborn lebt weiter, ohne die traditionellen Werte zu vergessen. 

(Ute Seidel)